Die Entstehungsgeschichte des Stadion
Vor 49 Jahren in Merzdorf...
Am 22. Juli 1956 fand im Riesaer Stadtteil Merzdorf die offizielle Sportplatzweihe statt. Im Juni 2005, also 49 Jahre später, soll an gleicher Stelle wieder ein Stadion geweiht werden. Dem TSV wurde das Programmheft zur Weihe 1956 zur Verfügung gestellt. Aus diesem nun die Entstehung des Stadions in Merzdorf von einst, damit ein Vergleich zu heute möglich ist.
Nach Beendigung des unglückseligen Krieges war die gesamte Sportbewegung auf einem ziemlichen Tiefstand angelangt. Unsere Regierung bemühte sich, schnellstens viele Möglichkeiten für den Sport zu erschließen. Durch einen Beschluss des FDGB-Bundesvorstandes wurde ganz besonders der Betriebssport, und damit der Massensport angeregt und verwirklicht.
Ausgehend von dieser Erkenntnis haben die Werksleitungen der drei Konsumbetriebe und die BSG-Chemie, das Reifenwerk als Trägerbetrieb in eingehenden Beratungen den Beschluss gefasst, auf dem in unmittelbarer Nähe der Betriebe liegenden Gelände eine Sportstätte zu errichten.
Mit Hilfe des Rates der Stadt Riesa, ganz besonders durch Herrn Bürgermeister Schröder, wurden noch einige Geländebesichtigungen durchgeführt, um die notwenigen Abmessungen des Sportgeländes zu erreichen.
Nachdem die Vorarbeiten soweit abgeschlossen waren, konnten im April 1953 die ersten freiwilligen Aufbaustunden im Rahmen des nationalen Aufbauwerkes des Kreises Riesa geleistet werden.
Nicht allein die Kollegen der oben aufgeführten Betriebe setzten sich für das Gelingen des geplanten Sportstadions ein, sondern auch viele außerbetriebliche und sogar ortsfremde Kollegen halfen fleißig mit. So erklärten sich die zwei Kollegen vom VEB-Straßenwerk Halle, die gerade mit einer Planierraupe in Riesa an der neuen Straße arbeiteten, nach kurzem Ansprechen bereit, im freiwilligen Einsatz ganz bedeutende Erdbewegungsarbeiten durchzuführen. Das große Beispiel dieser beiden Kollegen brachte für unsere freiwilligen Einsätze einen gewaltigen Auftrieb.
Weiterhin zeigte das Lehrlingskollektiv vom Reifenwerk Riesa bei den ersten Arbeitsgängen einen großen Eifer. Sogar die Kameraden der VP-Dienststelle Zeithain halfen uns außer ihrer Dienstzeit kräftig mit. Ganz besonders hervorzuheben ist im ersten Bauabschnitt die Hilfe der DFD Merzdorf, wo sogar die Oma Werschnik, mit 73 Jahren, vielen Jüngeren ein gites Beispiel gab. Ebenfalls half die BSG-Einheit, entsprechend ihren eingegangenen Verpflichtungen, recht vorbildlich mit.
So wurden im ersten Baujahr 13.305 freiwillige Aufbaustunden im Rahmen des nationalen Aufbauwerkes geleistet.
Auch im zweiten Baujahr standen große Aufgaben bevor: Als erstes galt es, die Planierungs- und Vorarbeiten für die Laufbahn zu schaffen. In mehreren Sonntags-Sondereinsätzen wurden die Packlagensteine angefahren, später auch der zur Laufbahnmischung benötige Lehm.
Bei dieser Arbeit zeigte sich wiederum freudige Einsatzbereitschaft aller Beteiligen. Im Jahre 1954 begangen wir gleichzeitig mit dem ersten Teilbau des Sportlerheimes, für welches die Rentner-Kollegen Ernst Schmidt und Oswald Marschner, ehemalige Mitarbeiter unseres Betriebes, den Grundstein legten. Große Schwierigkeiten hieß es hier zu überwinden, um Material und ganz besonders Fachkräfte zur Verfügung zu haben.
Wie im Fluge vergingen die Einsatztage, und am Ende des Jahres waren es wiederum 11.390 freiwillige Aufbaustunden im Rahmen des Nationalen Aufbauwerkes des Kreises Riesa, die wir stolz in unser Buch einschrieben.
1955 galt es, die im Rohbau befindlichen Ausarbeitungsarbeiten fortzusetzen und die Planierungs- und Verschönerungsarbeiten durchzuführen. In diesem Jahr hieß es besonders Ausdauer und Fleiß zu üben! Wenn auch schon ein großer Teil der Helfer etwas müde geworden war, so zeigten besonders die Kolleginnen und Kollegen der Zündholzfabrik einen unerschöpflichen Eifer, um das Begonnene zu vollenden. Um diese schöne Sportstätte in vollem geplantem Umfang aufbauen zu können, stellte uns der Staat 15.000 DM Lotto- und 20.500 DM Totogelder zur Verfügung. Hieraus ersehen wir ganz deutlich, dass jeder Lotto- und Totospieler durch seine Beteiligung mit dazu beiträgt, neue und schöne Kulturstätten, soziale Einrichtungen und vieles andere mehr für unsere Werktätigen, Jugendlichen, Alten und Kranken zu schaffen. Trotz des Nachlassens der Einsatzfreudigkeit konnten wir am Ende des Jahres 1955 immerhin noch 5.126,5 freiwillige Aufbaustunden zählen. 1956 erging erneut der Ruf an alle: "Noch einmal mit allen Kräften mitzuhelfen, um endlich im Laufe der Jahre die Sportstätte ihrer Bestimmung zuführen zu können." Viele fleißige Hände waren es, die mit zufassten, um das Begonnene in seinem Hauptteil abzuschließen. Die feierliche Namensgebung findet am Sonntag, den 22. Juli 1956, 14.00 Uhr, statt. Als eine der schönsten Sportstätten im Kreis Riesa wird unser Platz den Namen "Stadion am Merzdorfer Park" tragen.



