Tradition - 100 Jahre Riesaer Fußball

altes, weißes Wappen Riesaer SV

Der 28. 3. 1903 war ein historisches Datum. An diesem Sonnabend versammelten sich 20:30 Uhr in der "Bodega", der Weinstube des Ratskeller, die Herren Fleischer, Messe, Braune, Vogel, Hering und Ludewig. Aus dem Gründungsprotokoll ist zu erfahren, dass nach allgemeiner Konversation über das Für und Wider noch am selben Abend zur Tat geschritten und der "Fußballclub Riesa" gegründet wurde.

erstes Wappen BSG Stahl Riesa

In dieser Zeit trug schon der Fußball dazu bei, die Stadt Riesa in den deutschen Landen noch bekannter zu machen. Durch den Aufstieg in die Gauliga (Deutschlands höchste Spielklasse) 1936 und durch den Nationalspieler Willi Arlt (11 A-Einsätze von 1939 – 1942) - er war mit 17 Jahren Deutschlands jüngster Nationalspieler - kam der Riesaer Fußballsport in den dreißiger Jahren mehr als zuvor in die Öffentlichkeit.

neueres, rotes Wappen Riesaer SV

Das erste offizielle Fußballspiel in der sehr wechselvollen Riesaer Fußballgeschichte wurde am 26. Juli 1903 gegen Wurzen bestritten und mit 0:2 verloren. Man spielte in blau-weiß längsgestreiften Blusen, schwarzen Hosen und weißen Mützen mit blauem Stern.

traditionelles Wappen BSG Stahl Riesa

Genau 100 Jahre später, am 28. März 2003, also zum 100-jährigen Jubiläum, gab es keinen feierlichen Anlass. An diesem Freitag versammelten sich ca. 50 Unentwegte und gedachten mit einem Schweigemarsch durch die Riesaer Innenstadt bis zum Ratskeller des Rathauses an den Untergang des Riesaer Fußballsports mit der Insolvenz des FC Stahl Riesa 98.

Wappen FC Stahl Riesa '98

Aber nur ein paar Tage später, am 31. März 2003, gab es wiederum ein historisches Datum. An diesem Montag gründeten sieben "Fußballverrückte" im "Wettiner Hof" in Riesa den "Traditionssportverein (TSV) Stahl Riesa e. V." mit dem Ansinnen, den Namen Stahl Riesa zu erhalten und fortzuführen. Durch diese Neugründung begann nun wieder ein neuer Abschnitt in der Geschichte des Riesaer Fußballs. Eine neue Stahl-Mannschaft aus einem kleinen Stamm erfahrener Oberligaspieler und guten Nachwuchsspielern nahm den Staffelstab des traditionsreichen Sports auf.

Zeittafel

28. März 1903Gründung des "Fußballclub Riesa"
1905Umbenennung in "Riesaer SV"
26. Juli 1903Erstes Fußballspiel in Riesa gegen Wurzen
1910Einteilung der Fußballclubs in Gaue
Saison 1910/11Riesaer SV wird Gaumeister Mittelsachsens
1917Zusammenschluß vom RSV mit dem "FC Wettin"
2. August 1925Einweihung des RSV-Sportparks am Bürgergarten
1931Eingliederung des RSV in den Gau "Ostsachsen"
19. Februar 1933RSV schlägt den DSC sensationell im Pokalspiel 4:0
1934Trainer Ludwig Koch übernimmt das Traineramt
1936Aufstieg des RSV in die Gauliga
1945Gründung der "SG Riesa"
September 1948Umbenennung in "BSG Stahlwerk Riesa"
1. April 1950Umbenennung in "BSG Stahl Riesa"
1952Baubeginn des "Ernst-Grube-Stadions"
1954Herauslösung der Sektion Fußball aus der BSG und Gründung des "SC Stahl Riesa"
1954-56Errichtung der Sportstätte "Merzdorfer Park"
1955Aufstieg in die 2. DDR-Liga
29. Mai 1955Einweihung des "Ernst-Grube-Stadions" mit dem Spiel SC Stahl Riesa – SV Daxlanden-Karlsruhe (3:2)
1957wird die Sektion Fußball des "SC Stahl Riesa" aufgelöst und wieder in die "BSG Stahl Riesa" eingegliedert.
1957Walter Fritzsch übernimmt erstmalig das Traineramt
1963Aufstieg in die 1. DDR-Liga
19. Mai 1968die "BSG Stahl Riesa" steigt in die DDR-Oberliga auf mit einem 3:0-Sieg bei Aktivist Karl-Marx Zwickau
25. August 1968das erste Spiel in der Oberliga gegen den Meister FC Carl Zeiss Jena endete vor 15.000 Zuschauern mit einer 1:2 Heimniederlage
Mai 1969mit einem Sieg in Aue wurde der Klassenerhalt gesichert
1969Trainer Walter Fritzsch verlässt für immer Riesa
1969die Junioren der "BSG Stahl Riesa" gewinnen den "Junge-Welt-Pokal" mit einen 2:0 Endspielsieg gegen den 1. FC Magdeburg
1972erster Abstieg aus dem Oberhaus
1973sofortiger Wiederaufstieg
Saison 1974/75mit einem 6. Platz die beste Platzierung aller Oberligaserien, das bedeutete knapp an einem UEFA-Cup Platz vorbei
1977zweiter Abstieg aus dem Oberhaus
1978nach einem Jahr in der Thüringen-Staffel Aufstieg in Oberliga
Saison 1980/81wenige Tage vor Saisonbeginn stirbt am 20. 8. 80 Bernd Runge – ein schwerer Schlag für den Riesaer Fußball
1981 – 1983zwei Jahre in der DDR-Liga
1983der letzte Aufstieg in die DDR-Oberliga
1988Abstieg und Zweitklassigkeit
7. September 1990Umbenennung in "SV Stahl Riesa" und Ausgliederung der Sektion Fußball mit der Bezeichnung "FC Stahl Riesa"
Saison 1991/92Umbenennung des "FC Stahl Riesa" in "Riesaer Sportverein Blau-Weiß"
Ende Saison 1993Abstieg aus der Amateur-Oberliga
26. Septemer 1994"Moppel" Schröder (169 Einsätze), ein Fußball-Urgestein aus der 68-iger Aufstiegsmannschaft, verlässt uns für immer nach schwerer Krankheit
1996Fusion des "SC Riesa" mit "Aufbau Riesa" und "Röderau" zum "SC Riesa/Röderau", Zielstellung: Aufstieg in die Landesliga
1. Juli 1998Fusion des "RSV Blau-Weiß" mit dem "SC Riesa" zum "FC Stahl Riesa 98".
1. Juli 1999Erfolgstrainer Horst Rau übernimmt die Mannschaft, langfristige Zielstellung: Aufstieg in die Oberliga
Juni 2000Aufstieg in die Oberliga
5. August 20001. Spiel endete mit eine 0:1 Niederlage gegen den VL Halle vor 1.600 Zuschauern
30. Juli 2002Eröffnung des Insolvenzverfahrens durch RA Wolf gegen den "FC Stahl Riesa 98". Den Verein drücken durch Misswirtschaft 455.000 Euro Verbindlichkeiten.
20. Februar 2003eine außerordentliche Mitgliederversammlung beschließt mit lediglich 9 Gegenstimmen die Auflösung des Vereins
28. März 2003Schweigemarsch durch Riesa zum Gedenken an 100 jährige Riesaer Fußballtradition
31. März 2003Gründung des "TSV Stahl Riesa" im "Wettiner Hof" in Riesa - dies bedeutete auch ein Neustart in der 2. Kreisklasse
30. Juni 2003Abstieg aus der Landesliga Sachsen – Auflösung des Vereins "FC Stahl Riesa 98"
31. August 2003Punktspielstart des "TSV Stahl Riesa" mit eine 8:2 Heimsieg gegen den "SV Seerhausen" vor 447 zahlenden Zuschauern (Rekord in der 2. Kreisklasse) im "Parkstadion" in Seerhausen
Februar 2004Gewinn der Hallenkreismeisterschaft
März 2004erstes Spiel in Riesa (im "Stadion am Merzdorfer Park")
Juni 2004"TSV Stahl Riesa" wird Pächter des Stadions "Merzdorfer Park"

Aufstieg in die 1. Kreisklasse mit maximaler Punktausbeute und einem Torverhältnis von 215:8

Gewinn des Kreispokalfinale vor über 1000 Zuschauern in Nünchritz gegen Kreismeister BSV Strehla
August 2004erster Auftritt im Bezirkspokal - Stahl verliert mit 1:0 nach Verlängerung gegen Dynamo Dresden 3.

Beginn der Nachwuchsarbeit und Aufbau der 2. Mannschaft
Februar 2005erneuter Gewinn der Hallenkreismeisterschaft

"Teigwaren Riesa GmbH" und "TSV Stahl Riesa" beschließen mehrjährige Partnerschaft - Umbenennung des Stadions "Merzdorfer Park" in "Nudelarena"
Juni 2005Abschied von Seerhausen - Eröffnungsspiel in der "Nudelarena" vor 1075 Zuschauern gegen Ortsrivalen "SC Riesa" (2:1 für SC Riesa)

Verteidigung des Kreispokaltitels vor 625 Zuschauern in Strehla gegen "SV Lampertswalde" und Aufstieg in die Kreisliga
Oktober 2005Nicki Rasper erzielt sein 100. Punktspieltor
16. November 2005nach 3:2-Sieg gegen Bezirksligist "Meißner SV" steht Stahl im Bezirkspokalviertelfinale
5. Februar 20063. Gewinn der Hallenkreismeisterschaft in Folge
23. Februar 2006Einweihung der Flutlichtanlage in der Nudelarena beim Training
3. Juni 2006Stahl steht als erster Kreisligist im Finale des Bezirkspokal Dresden. (1:2 für Kamenz)
17. Juni 2006Christoph Meyer erzielt im Nachholespiel gegen Traktor Priestewitz das 500. Punktspieltor in der Vereinsgeschichte
Juni 2006Zum 3. Mal in Folge gewinnt der TSV den Kreispokal
Ungeschlagen steigen die Blau-Weißen in die Bezirksklasse auf
23. September 2006Die TSV-Rekordserie von 78 ungeschlagenen Punktspielen in Folge seit dem Spielbetriebsstart am 31. August 2003 endet mit einer 0:2-Heimniederlage gegen Coswig.
5. Oktober 2006Trennung von Trainer Werner Lukoschek - Ralf Vogel leitet übergangsweise die Mannschaft bis einen Monat später Rolf Nußbaum das Traineramt übernimmt
29. Dezember 2006Erstes eigenes TSV-Hallenturnier in der WM-Halle
24. Februar 2007Baubeginn an der Südtribüne
18. März 2007TSV Stahl Riesa und Werder Bremen gehen langjährige Zusammenarbeit im Nachwuchsbereich ein
10./11. April 2007Trennung von Trainer Nußbaum - Michael Schuster leitet fortan die 1. Männermannschaft
Juni 2008Fertigstellung der Südtribüne samt Gästeeingang
Oktober 2008Inbetriebnahme des Sprecherturms
20. Januar 2008Ausrichtung des ersten eigenen Jugendturniers mit Namen "Junior-Cup"
19. April 2008Einweihung des Gästeblocks zum Bezirkspokalhalbfinale gegen SG Dynamo Dresden 3.
13. Juni 2009Stahl gewinnt die letzte Begegnung der Saison und steigt somit in die Bezirksliga auf
23. Juni 2009Trennung vom Coach Schuster - eine Woche später wird Ron Bößneck als neuer TSV-Trainer vorgestellt
16. August 2009Niederlage im ersten Bezirksligaspiel gegen SG Dynamo Dresden 3. vor 1037 Zuschauern in der Nudelarena
23. August 2009Zuschauerrekord in der Nudelarena: ca. 3000 Menschen bevölkern das Stadion beim Finale des großen Radioduells zwischen Radio PSR und R.SA
13. Oktober 2009Startschuß für den Anbau des Hauptgebäudes
16. Dezember 2009Fertigstellung des Rohbaus

Weitere größere Riesaer Fußballvereine, die nach 1945 existierten:

Robotron Riesa, Chemie Riesa, Aufbau Riesa, Lok Riesa

Nachbetrachtung:

Es ist schwer, eine 100-jährige Fußballgeschichte aufzuarbeiten, zumal schon viele Zeitzeugen aus den Anfängen nicht mehr unter uns sind. Umso dankbarer sind wir, dass auf solch wertvolles Material, wie die Broschüren: "20 Jahre Oberliga-Fußball in Riesa", "90 Jahre Riesaer Sportverein" und "95 Jahre Fußball in Riesa" zurückgegriffen werden konnte.

Leider gab es in dieser Hinsicht keine Fortsetzung zum 100-jährigen Bestehen des Rieaser Fußballsports. Für eventuell aufgetretene Fehler bzw. Ergänzungen ist der Autor jederzeit dankbar.


Rainer Schwurack

Willi Arlt Ernst-Grube-Stadion Riesa
Riesas erster Nationalspieler Willi Arlt und das ehrwürdige Ernst-Grube-Stadion. Wie lang wird das Grube noch stehen?
Inhalt-Abschluß-Grafik TSV Stahl Riesa
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